Figuren-Schattenspiel

Eine praktische Anleitung zum Aufführen und Gestalten

Das Schattenspiel ist eine sehr poetische Form des Figurentheaters. Seine Wurzeln liegen in Asien. Über die Türkei und Ägypten wanderte es nach Europa, wo es sich mit der europäischen Kunst des Scherenschnitts und der Silhouette verband. Von der Technik her einfach, vermag das Schattenspiel gerade durch die Kunst der Andeutung die Phantasie des Betrachters zu wecken und übt auf Menschen aller Generationen einen ganz besonderen Zauber aus.

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In unserem Kurs, der sich gleichermaßen an Erwachsene wie Kinder ab etwa 10 Jahren richtet, wollen wir gemeinsam mit den von uns hergestellten Pappfiguren die  Aufführung eines ca. 20-minütigen Märchen-Schattenspiels zu Stande bringen. Die vielfältigen Aufgaben werden dabei nach Interesse und Fertigkeiten verteilt. Darüber hinaus gebe ich Hilfen und Anregungen zum Gestalten und zur eigenen Weiterarbeit, so dass die Kursteilnehmer in die Lage versetzt werden, nach Bedarf später eigene Schattenspiele aufzuführen. Eine gestalterische und zeichnerische Begabung ist nicht Voraussetzung. Willkommen sind alle, die sich für´s Theater interessieren oder gern sprechen, basteln oder musizieren. Schattenspielfiguren können sich bewegen, fliegen, verschwinden und vieles mehr, dennoch erfordert das Schattenspiel kein aufwendiges manuelles Training, wie etwa das Marionettentheater. Auch die zeitraubende Mühe des Auswendiglernens von Texten entfällt. Die darstellerischen Aufgaben können auf Spieler, Rezitatoren und Geräuschemacher verteilt werden. Mit einfachsten Mitteln lässt sich so in kurzer Zeit eine "runde" Theateraufführung erarbeiten. 

Nils Niemann kleinNils Niemann, Jahrgang 1969 ist als Regisseur, Wissenschaftler, Papier- und Schattentheaterspieler Experte für historische Theatertechniken tätig. Neben seiner Regietätigkeit als Spezialist für historische Theaterpraxis betreibt er mit seinem Bruder von Berlin aus das "Figurentheater Liselotte", das sich auf Papier- und Schattentheateraufführungen spezialisiert hat. Als Schattenspieldozent war er in den letzten zehn Jahren u.a. regelmäßig an der Schwabenakademie Irsee tätig. www.nilsniemann.de   

Ein Kurs- Bericht von Andrea:

Erst mal steht natürlich etwas Arbeit im IMG 7834Vordergrund:

Eine Geschichte auswählen, die passenden Figuren ausdenken, die passende Kulisse ausdenken ... das Ganze gemeinsam besprechen und entscheiden.

Jeder übernimmt die Herstellung einer Figur oder von Teilen der Kulisse.

Dann wird mit den von Nils festgelegten Vorgaben - also Maße und Blickrichtung der Figuren, evtl. beweglichen Armen, Beinen... - alles auf schwarzen Karton aufgzeichnet.

Alles sorgfältig ausschneiden und richtig (spannend!) zusammen fügen. Dafür gibt es Klämmerchen.

IMG 7838Ein paar Fädchen werden auch noch befestigt. Nils ist übrigens sehr nett und hilfsbereit, wenn man mal nicht ganz klar kommt;-)

Die Figuren sind teilweise beweglich; sie werden mit Hilfe von angebrachten Stäben hinter der lichtdurchlässigen Bühne bewegt - von vorne sehen die Zuschauer also die geheimnisvollen Schatten;-)). Die wirken super.

Die Phantasie lässt die Figuren richtig lebendig werden, das ist dann ein sehr schöner Moment.

IMG 7826Was zum Theaterspiel zusätzlich benötigt wird, ist ein Sprecher, sowie eine Untermalung mit den passenden Geräuschen. Den Sprecher habe ich lieber gemacht, weil die anderen die Figuren sehr geschickt bewegen konnten - diesen Job habe ich also gerne abgetreten;-)) Dafür konnte ich mir ganz gut Stimmen für die Figuren ausdenken, das war auch eine spannende Angelegenheit. Die Geräusche machte Semira, mit Instrumenten und Stimme...

IMG 8051Natürlich haben wir vorher eifrig geprobt, denn wie beim echten Theater muss jede Figur wissen, wann sie ihren Auftritt hat.

Am Freitagabend gab es für alle Artival-Besucher eine Aufführung im abgedunkelten Theaterkeller.

Die ist perfekt gelungen- das Publikum war total gebannt und beeindruckt; danach wurde tatsächlich die Bühne gestürmt und jeder wollte gucken, wie das geht und auch mal probieren;-))

Und wir waren natürlich stolz, denn ein bisschen aufregend ist es ja auch - wie im echten Theater ....